Möglich durch Industrie 4.0 : Mass Customization

Im Druckmarkt ist ein Trend angekommen, der auch in anderen Fertigungsindustriezweigen inzwischen eine maßgebliche Rolle spielt: Die Mass Customization, kurz ‚MC‘ genannt. MC bedeutet Einzelfertigung von Produkten mit der Effizienz einer Massenproduktion. MC ist eine Chance für neue Umsatzsteigerungen, indem sie auf immer individuellere Anforderungen von Kunden eingeht. Durch neuartige Entwicklungen in der Drucktechnik und den Digitaldruck eröffnen sich hier vorher ungeahnte Möglichkeiten. In Verbindung mit entsprechenden Onlineshops und Websites können Kunden sich individualisierte Printprodukte konfigurieren und dann beauftragen. Firmen wie z.B. Spreadshirt haben sich so selber vorher noch nicht existente Märkte geschaffen.

Die führenden Firmen in diesem Segment verknüpfen weitgehendst automatisierte Druckverfahren mit hoher digitaler Kompetenz in Vertrieb und Auftragsannahme. Der Gedanke der Mass Customization ist nicht neu. Er hält nur jetzt in Märkten Einzug, in denen so etwas vorher nicht möglich war. Ein Paradebeispiel für schon lang existierende Mass Customization ist die deutsche Automobilindustrie, die mit diesem Angebot weltweit erfolgreich geworden ist. Und die nach wie vor versucht, dranzubleiben an dem, was technisch machbar ist. So kann man bei BMW den Mini mit Einstiegsleisten bestellen, die beim Einstieg den beleuchteten Schriftzug des Eigentümernamens anzeigen. Und der boomende Onlinehandel ist ein Glücksfall für MC-Anbieter im Druckbereich. Denn all die kleinen bis mittelständischen Firmen, die über Plattformen wie Amazon mit ihren Waren handeln oder als regionale Händler agieren, benötigen oft individualisierte Verpackungen und personalisiertes Promomaterial.

Ausschlaggebend für den Erfolg ist es, den Kunden online nach dem Motto ‚Keep it simple‘ durch den Prozess der Konfiguration und Auftragserteilung zu leiten. Man muss genau wissen, wo Kunden eine individualisierte Lösung haben möchten – und wo nicht. Hier sind entweder eine untrügliche unternehmerische Intuition oder genaue Marktanalysen und umfangreiche Kundenbefragungen vonnöten. Entscheidend ist dann die sog. Modularisierung, bei der der Kunde nur bestimmte Elemente des Produktes verändern kann. Entscheidend ist, wann er die Möglichkeit zur Mitwirkung hat, denn daraus ergibt sich der optimale Vorfertigungsgrad.

Befragungen von erfolgreichen MC-Firmen haben ergeben, daß desto höher der Umsatz war, je weniger Auswahloptionen es abseits des Individualisierungsfeldes gab. Das Tolle für Anbieter ist, daß der Kunde am Anfang der Wertschöpfungskette steht und nicht am Ende. Der positive Effekt gegenüber der herkömmlichen Massenproduktion ist dann ein geringeres Risiko, auf Ladenhütern sitzen zu bleiben. Es muß also auch niemand mehr begeistert werden für ein Produkt – das ist der Kunde schon längst und zeigt dies durch die entsprechende Bestellung. Die umsatzstärksten Bereiche der MC im Druckbereich sind zurzeit personalisierte Bücher, CD’s, T-Shirts, Grußkarten und Mailings.

Ein erfolgreiches Beispiel abseits des Druckmarktes ist der Müsli-Hersteller mymuesli, der seit 2018 nicht nur individualisierten Inhalt sondern auch eine individualisierte Verpackung anbietet. Der neue Markt des 3D-Drucks bietet ganz neue Möglichkeiten. So sind z.B. mit 3D-Druckern produzierte Schuh-Einlagen erhältlich, die passgenau für den jeweiligen Fußabdruck des Kunden produziert werden. Auch Sportschuhe werden mittlerweile in herkömmlicher Fertigungstechnik produziert von großen Anbietern personalisiert angeboten, wie etwa beim Angebot „mi adidas“, bei dem nicht nur die optische Gestaltung, sondern auch Fußlänge und -breite sowie der persönliche Laufstil des Kunden berücksichtigt werden. Bei Adidas hat dieses Angebot dazu geführt, daß nicht mehr der Händler die Schnittstelle zum Kunden ist, sondern daß direkt Informationen über Interessen und Vorlieben sowie Konsumverhalten von den Kunden an den Hersteller fließen. Der Kunde wird beraten, er fragt nach und formuliert neue Wünsche. Dadurch entsteht ein Informationskreislauf, der Adidas verstehen läßt, was seine Kunden wirklich begeistert.

Um sich im Druckbereich erfolgreich auf dem Markt für Mass-Customization-Produkte behaupten zu können, erfordert es dreierlei Voraussetzungen:

1. Digitalkompetenz – sowohl beim Kunden wie auch beim Produzenten.

2. Ein Workflowsystem, das die Produkte touchless durch die Produktion führt.

3. Neueste Produktionstechnologie, die im One-Piece-Flow zu arbeiten vermag.

Summa summarum ist Mass Customization ein Trend, der mit der Weiterentwicklung der entsprechenden Fertigungstechnik auch und gerade in der Druckbranche immer bedeutender werden wird.

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